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Wie in alten Zeiten! Man weiß es wird etwas geben, mit viel Sound,
mit politischer Message. Man weiß es ist nicht genehmigt, und man
weiß nicht, wo es sein wird. Erst eine Stunde vor Beginn sollte
man das via Info-Hotline auf einer Handy-Mailbox erfahren. Nachdem die
Free Republic am Karlsplatz untersagt wurde, gingen die Veranstalter in
den organisatorischen Untergrund. Und erinnerten damit an die illegalen
Raves der frühen neunziger Jahre.
Sound mit System
Am Tag des großen Ereignisses ist es dann
nicht ganz so spektakulär. Am Burgring, zwischen Kunst- und Naturhistorischem
Museum, gab es doch noch grünes Licht für die Parade. Womit
die Location auch schon am Vortag bekannt war. Von den ursprünglich
angekündigten 36 Soundsystemen ist nur ein Drittel übrig geblieben.
In weitem Kreis stehen sie auf ihren Trucks um das Maria-Theresien-Denkmal
im barocken Museumspark. Mit viel Bass und wenig Soundqualität beschallen
sie die alte Kaiserin im Techno-Beat. Plus einige hundert jugendliche
Besucher, die sich in der sengenden Hitze um den Bierstand und die Schattenplätze
drängen.
Politisch paradox
Am Karlsplatz wurde die statische Straßenbeschallung
unter anderem nicht genehmigt, weil es sich laut Polizei um keine politische
Demonstration handle. Im Gegensatz zu den Vorjahren, wo die Free Republic
um den Ring zog, und keiner an ihrer Demo-Charakter zweifelte. Organisator
Martin Wassermair: "Wir haben uns auch ein entsprechendes Rechtsgutachten
eingeholt, das astrein bestätigt, dass es eine politische Kundgebung
ist." Mit Erfolg. Nach einigen Tagen Ungewissheit darf die Sound-Demonstration
wieder als politisch gelten - und auch heuer für freie kulturelle
Äußerung und mehr Raum in der Stadt eintreten.
Message kommt an
Medienvielfalt, Abschaffung der Schubhaft, "selbstbestimmter
Rausch", gleiche Rechte für MigrantInnen. So lauten einige der
vielen Agenda auf der Free Republic 2003. Offenbar leben Paraden mit Parolen
länger. Die große und unpolitische Love Parade musste im Frühjahr
Konkurs anmelden. Die Free Republic wird es voraussichtlich auch nächstes
Jahr wieder geben. "Politische Inhalte motivieren immer" meint
Wassermair dazu lakonisch. Eine Musik-Demo mit Message steht auch heuer
noch auf dem Programm: die Regenbogen Parade am 28. Juni.
Wenig Aufmerksamkeit
In einem Punkt wird der Umzug der Schwulen und Lesben
die Free Republic sicher übertreffen: bei den Besucherzahlen. Gerade
mal 5000 Besucher erwarten die Veranstalter bis sie um 22 Uhr die Regler
wieder abdrehen müssen. Die schwitzenden Einsatzleiter der Polizei
wollen sich zu keiner Schätzung hinreißen lassen. "Eh
nix los" ist der einzige Kommentar, der sich ihnen entlocken lässt.
Doch die Organisatoren zeigen sich zufrieden: "Wir erreichen unser
Publikum" kommentiert Wassermair, seine Kollegin Brigitte Schröpel
lobt auch die Zielerreichung: "Es stört, es ist laut - und das
ist ja der Sinn und Zweck des heutigen Tages.".
Weniger zufrieden ist Schröpel mit der
Berichterstattung und spricht davon, "richtig ignoriert zu werden".
Gleich wie man zu Inhalten und Sound der Free Republic steht: Eine politische
Kundgebung, die als "unpolitisch" untersagt wird, verdient allein
deswegen mediale Aufmerksamkeit.
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