Spaß und Statements

Am 15. Juni erlebt die Wiener Ringstrasse erneut einen lautstarken politischen Umzug: Dutzende Soundsystems verleihen auf der zweiten Free Re Public - Parade Forderungen nach partizipartiver Mediennutzung,gegen Rassismus, Sexismus und die Kommerzialisierung der Jugendkultur Nachdruck. Dazu einer der Koordinatoren der Parade Martin Wassermair von Public Netbase, im Malmoe-Gespräch

Zum zweiten Mal findet heuer die Free Re Public Parade statt. Das hat wohl was mit der derzeitigen Regierung zu tun... Was waren die konkreten Anlässe, Free Re Public zu machen?

Den konkreten Anlass bietet dieses Jahr der "Tag der Freien Medien", der am 15. Juni bereits zum dritten Mal stattfindet. Die Free Re Public 02 nur auf die Regierung zu reduzieren, greift zu kurz. Es wird aber auch dem Ballhausplatz nicht verborgen bleiben, dass auf der Wiener Ringstraße sehr deutliche Forderungen zum Ausdruck gebracht werden. Es geht um die partizipative Nutzung von elektronischen Medien, mehr gesellschaftliche Selbstbestimmung, freien Zugang zu Bildung sowie um mehr Freiräume für Szenekulturen.

Letztes Jahr konnte man/frau den Eindruck gewinnen, die eine Hälfte der TeilnehmerInnen beteiligte sich am Politischen der Parade, die andere Hälfte wollte "nur" feiern. An wen wendet sich Free Re Public?

Der Anspruch, eine Parade mit klaren Statements zu versehen, schließt den Spaß daran nicht aus. Wichtig ist, dass in der Gesamtheit der politische Standpunkt überwiegt. Die Parade wählt die Öffentlichkeit als ihren Ort und wendet sich damit auch an eine breite Öffentlichkeit. Fast alle mussten in den vergangenen Jahren politische Einschüchterungen erleben. Am 15. Juni gilt es aufzuzeigen: Wir haben uns nicht mundtot machen lassen!

Die heuer aufgestellten Forderungen und Losungen könnten die einer klassischen Demo sein, als Form wurde jedoch die Parade, die z.B. an die Love Parade erinnert, gewählt. Woher kommt diese Idee? Gibts Vorbilder? Oder ist es einfach ein zeitgemäßer Form/Inhalt-Mix?

Die Form der Demos verwandelt sich und das ist gut so - auch die Umzüge nach der Regierungsbildung hatten oft den Charakter einer Parade.
Im Bezug zu einer umfassenden Lebenskultur liegt sicherlich eine Unterscheidung zu klassischen Demonstrationsformen, denen noch immer eine sehr österreichische Ruhe anhaftet. Die Wurzeln liegen auch in den Free Parties Anfang der 90er Jahre und die Trennlinie muss heute dort gezogen werden, wo die politische Aussagekraft von der Kommerzialisierung übervorteilt wird.
Die Free Re Public hat dazu heuer eine Position, die an die eigentlichen Ursprünge der Parade erinnert: Es gilt absolutes Produktwerbungsverbot.

Wenn ich mir die Liste der Gruppen ansehe, die ein Soundsystem angemeldet haben, stellt sich die Frage, ob Free Re Public auch einen Vernetzungscharakter hat, und zwar für Menschen aus ganz verschiedenenBereichen?
Ist das beabsichtigt oder entwickelt sich das eh von selbst?

Die Vernetzung ergibt sich alleine aus dem Umstand, dass bereits für die
Vorbereitungen das Prinzip der gemeinsamen Organisation gilt. Es gibt keine zentrale Trägerschaft. Dass sich dabei eine Vielfalt der Soundsystems ergibt, lässt sich gar nicht wirklich steuern.
Die Attraktivität, an der Parade teilzunehmen, resultiert mit Sicherheit aus den politischen Forderungen, die ihr zugrunde liegen. Der rege Zulauf bestätigt also, dass damit wirklich ein sehr breites Bedürfnis angesprochen wird.

Fragen: Sylvia Köchl